Hörgeräte-Historie

Vom Hörrohr zum volldigitalen Hörgerät – Was bringt die Hand als Trichter?

Jeder kann es ausprobieren: Mit der Hand als Schalltrichter hinter dem Ohr hört man klarer, deutlicher und lauter: Dieses “Hörgerät” wurde schon in Urzeiten von Menschen genutzt, um auf der Jagd besser zu hören und sich zu schützen.

Das erste eigentliche Hilfsmittel für die Hörbehinderten was das Hörrohr. Es wurde im 18. Jahrhundert erfunden und bestand aus einem Schalltrichter mit einem Schlauch, den man ins Ohr steckte.

1876
baute Alexander Graham Bell (Erfinder des Telefons) ein Hörgerät mit einem Kohlemikrofon und einer Batterie für seine schwerhörige Frau. Es hatte keinen eigentlichen Verstärker.
1923
Zwei Jahre bevor Andreas Becker sein Unternehmen für Sehen und Hören gründete, kamen die ersten Röhrengeräte auf den Markt. Es waren radioähnliche Kästen mit Kopfhörern und einem Mikrofon.
1934
Die ersten tragbaren Geräte erschienen 1934 und wogen nicht weniger als elf Kilogramm. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie mühsam es für einen Schwerhörigen war, ein solches Gerät mit sich herumzutragen. Diese Apparate wurden jedoch schnell kleiner und leichter, da die energieaufwendigen Röhren kleiner und funtioneller wurden. Die Benutzer mußten jedoch die Batterien immer noch z.B. in einer Gürtelschnalle tragen.
1950
waren die Hörgeräte noch immer so groß wie eine Schachtel Zigarillos. Erst Mitte der 50er Jahre tauchten die ersten, auf gedruckten Schaltungen montierten Transistorkreise auf. Die Geräte waren inzwischen auf die Größe einer Zigarettenschachtel geschrumpft. Parallel zu dieser Entwicklung wurden die Mikrofone (geräuschvolle Kohlemikrofone) und die Lautsprecher immer effektiver. Die Lautsprecher wurden so klein, daß sie erstmals im Ohr untergebracht werden konnten und mit einer Schalleitung mit dem eigentlichen Gerät verbunden waren. Und das Mikrofon war immerhin schon im Gerät eingebaut.
1960
Um das Jahr 1960 erschienen die ersten Hinter-dem-Ohr-Geräte, und sogar Im-Ohr-Geräte. Sowohl Mikrofon als auch Lautsprecher waren noch kleiner geworden, der Verstärker bestand bereits aus einer aus vier Transistoren und bis zu 20 weiteren Komponenten bestehenden Schaltung.

70er 

In den 70er Jahren wurden die ersten auf hybridem Dünn- und Dickfilm aufgebrachten Schaltkreise entwickelt, es gab bis zu 15 Transistoren und etwa 50 weitere Komponenten. Gleichzeitig waren die Geräte jetzt mit einem Schalter ausgestattet, der eine Anpassung der Verstärkung und des Frequenzganges an das individuelle Hörvermögen ermöglichte. Ferner wurden einfache Geräte jetzt in eine Schale eingebaut.

80er 

Anfang der 80er Jahre kamen die ersten Geräte mit integrierten Schaltungen auf den Markt, bei denen die gesamte Elektronik auf einem Stück Silizium aufgebracht war. Das war dann auch der Zeitpunkt, zu dem bei Becker Hörakustik mit der fimeneigenen Fertigung von Im-Ohr zu tragenden, maßgefertigten Hörgeräten begonnen wurde.
1987
erblickten die ersten programmierbaren Geräte das Licht der Welt: Der Hörgeräte-Akustiker brauchte nicht mehr mit dem Schraubendreher die Geräte einzustellen. Jetzt war es möglich, das Gerät mit Hilfe eines Computers wesentlich genauer an den individuellen Hörverlust eines Menschen anzupassen.
1988
gab es bereits ein programmierbares Hörgerät, das mit mehreren Programmen ausgestattet war. Es ermöglichte dem Benutzer die Wahl desjenigen Programms, das zu der jeweiligen Hörsituation am besten paßte. In diesem Gerät waren mehrere tausend Komponenten untergebracht.
1996
schließlich gelang der digitale Sprung in die Zukunft mit der Einführung des ersten volldigitalen Im-Ohr-Hörgerätes Senso. 1997 wurde von Siemens das erste volldigitale Hörgerät mit zwei Mikrofonen – einem Richtmikrofon für gezieltes Hören und einem Kugelmikrofon fürs Rundum-Hören entwickelt.

Digital ist inzwischen ganz normal, d.h. es gehört zum Standard. Die Zwei-Mikrofon-Technik wurde inzwischen so perfektioniert, daß mit einem Spracherkennungsprozessor bei Bedarf nur die Sprache übertragen werden kann.

Die neueste Entwicklung sind verschiedene Implantate, die selbst taubgeborenen Kindern die Möglichkeit geben, Hören und Sprechen zu lernen.